Das Jahr 2010 atmet seine letzten Stunden aus und ein neuer Anfang steht uns bevor. Unser Blick geht zurück auf das vergangene Jahr und wir besinnen uns auf das, was wir gemeinsam erlebt haben. 2010 war das erste Coworking Jahr für Leipzig und für uns, die wir zusammen gearbeitet haben. Ein Jahr des Beta & Prototyp Coworkings im Le Space im Tapetenwerk und im Rockzipfel. “Leipzig Coworked” mit Erfolg. Auch wenn der Medienhype nicht ganz der Realität entsprach, können wir doch froh darüber sein, über das was in Leipzig, Deutschlandweit, in Europa und weltweit erreicht wurde. Leipzig hat eine kleine aber feine “Coworking-Community”. Und sie wächst gesund vor sich hin. Auch weil es so viel Spaß macht.

Es war so völlig unklar, wie die Theorie “Coworking” eigentlich in der Praxis aussehen wird und jeder Mensch hatte irgendwie seine eigenen Vorstellungen davon. Das ist es, was es in der Umsetzung mancherorts und auch in Leipzig schwierig machte, endlose philosophische Diskussionen z.B. sind keine Seltenheit bei den Betreibern. Coworking ist aber weniger ein darüber Sprechen als ein TUN! Coworking ist leider auch keine Eierlegende Wollmilchsau, aber viele denken und glauben, das Coworking ein Werkzeug für die Arbeitsformen der Zukunft sein kann, mit Hilfe dessen wir möglicherweise einige Missstände in unserer westlichen “Möchtegern-Wohlstandsgesellschaft” reparieren könnten. Vor 10 Jahren konnte man nicht behaupten, dass die Allgmeinheit mit dem Internet umgehen konnte. Tut sie das heute? Irgendwie schon. Selbst unsere Mütter & Väter sind auf Facebook. Doch wohin soll das führen? Was wäre der tiefere Sinn einer solchen Digitalisierung der Lebens- und Arbeitswelt?

50% der deutschen Arbeiten in Büro’s, fahren täglich zusammengenommen Millionen von Kilometern zur Arbeit und zurück und verzichten dabei z.T. komplett auf ihr Privatleben. Verstimmungen, Depressionen, Krankheiten, Mobbing und Partnerprobleme sind keine Seltenheit. Außerdem: wir verbrauchen Umengen an Energie und Zeit auf Arbeitswegen und heizen damit das Klima an.
Doch mit der Flexibilisierung der Büroarbeitsprozesse und ihrer zunehmenden Digitalisierung sehen wir nun Licht am Horizont. Das (Weihnachts)-Licht, das sagt: Laßt uns doch Leben & Arbeit wieder mehr zusammenbringen: “Work&Life Balance”, “Büros abschaffen” und uns a’la long frei entscheiden, wo und mit wem wir unseren Büroalltag verbringen wollen. Wird es in Zukunft möglich sein, dass wir Teile oder ganze Arbeitswochen mit unserem Partner, mit unseren Kindern oder mit unseren Freunden verbringen? An dem Ort, in dem Stadteil oder Dorf, in der Umgebung, wo wir uns ursprünglich entschieden hatten, zu leben? Oder können wir uns beispielsweise einfach für 3 Monate in den Coworking Space nach Florenz verabschieden um dort ganz nebenbei italienische Sprache und Kunst zu studieren? Vielleicht nach Lissabon, Stockholm oder Moskau? Welch grenzenlose Möglichkeiten??? Bisher war das nur für die Upper Class möglich.

Sicherlich ist das für die Mehrheit der Büroarbeiter eine noch unvorstellbare Utopie. Viele MÜSSEN täglich in ihr Büro kommen. Einige fühlen sich damit wohl, wenn Sie Glück haben. Es ist in der Praxis derzeit tatsächlich oft noch unvorstellbar, längere Zeiten mobil produktiv zu arbeiten. Aber wenn wir ehrlich sind, eigentlich nur deswegen, weil Menschen und Unternehmen die Möglichkeiten des Internets immer noch nicht vollstens verstanden haben, geschweige denn ausschöpfen wollen oder können.
Doch es tut sich was. Nicht nur in Berlin, nicht nur in Leipzig, nicht nur in München, Suttgart, Köln, Hamburg, Brüssel, London, New York, Moskau, Stockholm, Wien, Prag, in den USA und vielen anderen Industrieländern sind die sogenannten digitalen Nomaden dabei, im Selbstversuch durch erfülltere und motivierendere Arbeit an kreativen Orten noch produktiver und selbstbestimmter zu sein als je zu vor und damit den traditionellen Otto-Normal-Büroalltagsmenschen zu zeigen, dass es geht und vor allem wie es geht. Viele wollen nicht in ihr usprüngliches Büro zurück und genießen die Offenheit der Coworking Spaces.

Coworking Spaces müssen sich finanzieren – bestenfalls sogar profitabel sein, wenn sie als Unternehmen gegründet werden. Sie müssen verwaltet werden und es soll was darin passieren. Das wird die Aufgabe für 2011 werden. Wir haben in 2010 wisschenschaftliche Arbeiten zum Thema Coworking unterstützt – viele Studenten und Universitäten haben sich dem Thema gewidtment und in 2011 wird dies weitergehen.
Gern würden wir in Leipzig in 2011 doppelt so groß werden und es wäre schön, wenn sich die Ausgaben dafür mit den Einnahmen zunehmend deckten.
Wir wollen allen Menschen danken, die sich für Coworking in Leipzig stark gemacht haben. Den Menschen, die verstanden haben worum es hier eigentlich wirklich geht. An dieser Stelle möchte ich unserem Freund und Coworking-Kollegen Julian Moritz gedenken, der im November diesen Jahres im Alter von 27 Jahren plötzlich verstorben ist. Wir werden Dich nicht vergessen. Vielen Dank für das, was Du für uns und für den Coworking Space warst. (Nico Krause)